Leseproben

Ich liebe ... ich kann loslassen!

Zweiter Akt

Now passion and love have re-entered my life,

My hope and joy revived by your warmth.

With opened and closed eyes I feel you near me

Though I have not forgotten her and never will.

But the future has extended its hand to me

And gladly I took it – being guided to my self.

Als ich in Dein Land kam, gelandet, gestrandet unter diesem Meer wogender Palmenblätter, unter klarem blauen Himmel und nährenden Sonnenstrahlen, inmitten schöner Frauen in farbenfrohen Saris und fremder Männer, habe ich nichts gesucht, wollte ich Ruhe und Abstand finden, hatte ich zwei Jahre fast immer gearbeitet, wenn andere arbeiteten, und fast immer, wenn andere nicht arbeiteten, hatte ich manches erlebt, einiges erreicht, vieles, vor allem mich selbst vernachlässigt, hatte ich eine Pause verdient und mehr als nötig. Als ich in Dein Land kam, war es noch gar nicht Dein Land, da war es Indien, meine Zuflucht, Land voller Energie und ein bisschen davon für mich, so hoffte ich. Als ich in Dein Land kam, war ich so müde und so glücklich anzukommen, dass ich dankbar war für alles: die ersten vierundzwanzig Stunden, die ich tief schlafend in meinem Bungalow verbrachte, während um mich herum das indische Leben in seiner Fülle, gemächlich und nach ehernen Gesetzen seinen Gang ging, das köstliche Gemüsecurry, das die würzige Fruchtbarkeit Keralas auf meine Zunge zauberte, den ersten Blick aufs Meer mit Tränen in den Augen, so schön war seine Weite, so einladend seine geheimnisvolle Tiefe, so sanft umfingen mich die Wellen, als ich ihnen mein Leben und mein Glück anvertraute, bis ich beides wieder mit mir zurück an den Strand nahm und den Delphinen die Fluten überließ. Ich konnte nur lachen und mich freuen in diesem Paradies, fühlte mich endlos jung, unschuldig wie ein Kind, staunte nachts die Sternschnuppen an, hüpfte tagsüber über den Sand und rannte mit anderen großen und kleinen Kindern um die Wette ins Meer. Und dann die Frauen, die mich nach ayurvedischer Tradition massierten, entschlackten, badeten und mich umsorgten, wie meine eigene Mutter es nicht liebevoller getan hatte, als ich tatsächlich noch ein Kind war. Genauso hätte ich mir meine Pause vom Leben vorgestellt, wenn ich mir vorher Zeit und Muße genommen hätte, sie mir auszumalen. Ich wurde wunschlos glücklich und entspannt, als ich in Deinem Land angekommen war. Vielleicht waren mir seine gesellschaftliche Ordnung, die Kultur und Sprache fremd. Aber ich gehörte unter diese Sonne, in den milden Wind und die schweren Regentropfen, die vereinzelt fielen. Ich gehörte zu dem satten Grün der Natur und zu ihren lächelnden Menschen.

Dann hast Du mich angelächelt. Am ersten Tag habe ich unbewusst zurückgelächelt. Am zweiten Tag bist Du mir aufgefallen. Am dritten Tag habe ich versucht, Dir aus dem Weg zu gehen. Am vierten Tag bin ich neugierig geworden. Ein Sonnenschein bist Du, freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend zu allen. Du verkörperst wahrhaftige, vehemente Jugend, ob Du ernst, traurig oder fröhlich bist. Jeder mag Dich. Am fünften Tag habe ich Dich angeschaut, habe in Deine Augen gesehen, habe Dein Lächeln zugelassen, in mich aufgenommen und genossen, das ein Strahlen ist, wenn Du mich siehst. An diesem Tag habe ich verstanden: Für mich bist Du Liebe. In Deinen Augen ist ein Leuchten, das ich so offen, so vorbehaltlos, so unendlich und warm noch bei keinem Menschen gesehen habe, in ihnen sehe ich tiefer in das Geheimnis des Lebens als jemals zuvor. Ich habe in den letzten Jahren einige Menschen getroffen, leidenschaftliche, begeisterte, optimistische, und auch sie haben positiv in die Welt geschaut, Du jedoch ziehst mich in einen Bann, dem ich nicht ausweichen kann, zu Deiner Liebe finde ich keine Alternative.

Als Du in mein Land kamst und ich Dein Lächeln sah, konnte ich zum ersten Mal ertragen, wie schwer mich das Leben im vergangenen Jahr getroffen hatte. Innerhalb weniger Monate waren erst mein Vater und dann meine Schwester gestorben. Beide habe ich sehr geliebt, beide hat meine Mutter sehr geliebt. Von ihr habe ich meine Fröhlichkeit, sie hat mich gelehrt, die Welt anzustrahlen. Sie selbst allerdings weint nur noch seit letztem Jahr, und ich weine mit ihr, aus Trauer und weil ich sie nicht trösten kann. Vorher war ich ein Kind, habe alles umarmt, was das Leben mir anbot; jetzt habe ich zum ersten Mal gezweifelt, habe zum ersten Mal gelitten und mich von der Harmonie des Lebens missgestimmt entfernt. Als dann Du in mein Land kamst, hast Du mich daran erinnert, das Leben immer, auch unter Tränen lächelnd zu bejahen. Du bist eine erwachsene Frau, aber Du lächelst so unschuldig wie ein Baby, das sich auf die Welt freut. Du wirkst frei von gesellschaftlichem Zwang und begegnest jedem Menschen positiv und nimmst ihn wahr und ernst: Alte und Junge, Arme und Wohlhabende, Frauen und Männer – es ist Dir fremd, sie unterschiedlich zu bewerten, wie es unsere indische Gesellschaft noch immer tut. Vor allem aber nimmst Du Dich selbst wahr und liebst Dich, als sei dies selbstverständlich. Deinen Körper habe ich nie zuvor gesehen, aber Deine schöne Seele hat mich mein Leben lang begleitet, und jetzt, da ich Dich treffe, fühle ich, dass ich mit Dir mein Leben verbringen will. Was meine Mutter mir beibrachte, der Welt zu geben, hast Du voll Liebe und vertrauensvoll reflektiert. Mit Deinem Lächeln hast Du mich zu mir selbst zurückgeführt, als Du in mein Land kamst. Du hast mein Herz geöffnet für diesen Teil der Liebe, der in meinem Leben noch offen ist: einer Frau Liebe zu geben und von ihr Liebe zu empfangen.

Zwischen uns fließt Energie, die stärker ist als alles, was unsere Sinne wahrnehmen. Wenn wir uns nicht sehen, denken wir aneinander. Wir spüren die Gegenwart des anderen, lange bevor wir uns einander genähert haben. Wir ahnen, wann wir uns treffen werden, ohne dass wir vorher miteinander gesprochen oder uns gesehen hätten. Und jedes Mal, wenn wir uns begegnen, bringen wir uns zum Lächeln, empfinden absolute Freude über uns, die Welt und das Leben. Unsere Augen genießen, wenn sie den anderen erfassen und begleiten dürfen, unsere Hände elektrisieren, wenn sie sich berühren. Wir sprechen wenige, aber bedeutende Worte miteinander, doch was sind sie gegen die Gedichte der Liebe, die unsere Herzen komponieren und unsere Augen einander vorlesen? Bände voller Wahrheit tauschen wir aus an diesen wenigen Tagen, in Deinem und meinem Land. Einmal komme ich von einem Strandspaziergang. Ich weiß, dass Du dort sein wirst, wenn ich zurückkehre, und sehe schon von weitem Deine schlanke, in einen elfenbeinfarbenen Dhoti gehüllte Gestalt unter den Palmen. Ich spüre, dass Du mir entgegenblickst, obwohl ich Dein Gesicht noch nicht erkennen kann, und fühle mich zu Dir hingezogen, gehe hunderte von Metern auf dem Energiestrahl Deines Blicks, bis ich vor Dir stehe, Dir in die Augen sehe, Dich anlächele und in mein Leben einlade. »Morgen Nachmittag«, antwortest Du, und Dein ganzes Gesicht strahlt. Dann deutest Du auf den Himmel, der beginnt, sich um die über dem Meer blutrot untergehende Sonne rosé und violett zu verfärben. »Wir denken, täglich wiederhole sich der Sonnenuntergang, doch vom immer selben Punkt sehen wir jeden Abend ein anderes Bild«, sagst Du.

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Gefangen Geheilt in Neurodermitis-Haut

Erkennen

Corinna begreift, dass sie gesund werden kann, und spürt, dass sie gesund werden möchte.

An einem Tag im Mai – ich bin einunddreißig – ändert sich mein Leben. Ich höre den Vortrag „Neurodermitis kann geheilt werden". Ich höre, dass Neurodermitis heilbar sei. Dass Neurodermitis selbst geheilt werden könne. Vor mir tut sich eine völlig neue Perspektive auf, eine neue Sicht auf meine Krankheit und eine neue Lebensperspektive, eine Perspektive zu leben. Ich möchte gleichzeitig auf der Straße tanzen und im Auto sitzen und weinen. Auf dem Weg nachhause tue ich beides.

Es dauert keine Stunde, bis ich Ruth anrufe und ihr aufgeregt erzähle, was ich soeben gehört hätte. Sie ist sofort begeistert und fragt mich nach mehr Informationen. „Bleib dran!", schärft sie mir ein. Es dauert zwei Tage, bis ich mit Damian zu teilen bereit bin, was mich gleichzeitig erschüttert und belebt hat. Er hört mir interessiert zu und scheint sich zu freuen, weil neuer Schwung in unser Leben kommen würde. Und es dauert ein halbes Jahr, bis sich die Information „Neurodermitis kann geheilt werden" in meinem Kopf in die Möglichkeit „Meine Neurodermitis kann ich heilen" gewandelt hat. Den Ausschlag gibt mein letzter Arbeitstag in der Hochschule. Als ich wehmütig meine Sachen packe, sagt Bodo, mein Büronachbar, zu mir: „Du, wenn es dir so schwerfällt zu gehen, warum besorgst du dir nicht einen Schwerbehindertenausweis? Damit könntest du zumindest eine vergleichbare Stelle bekommen." Ich verstehe ihn nicht und frage: „Weswegen soll ich denn schwerbehindert sein?" „Na, wegen der Neurodermitis", sagt er, „wenn es richtig schlimm ist, wird das anerkannt." Ich fühle einen Moment lang Versuchung: „Alles wäre so einfach, es müsste mir nur schlecht genug gehen", dann Abscheu davor, meine Krankheit für meine beruflichen Vorteile zu missbrauchen und mich damit für immer an sie in ihrer möglichst schlimmsten Form zu ketten, und im nächsten Moment weiß ich, dass ich gesund werden will. Zuhause rufe ich Damian und teile ihm mit, dass ich die Stelle bei der internationalen Hotelkette, die er mir über einen Geschäftsfreund vermittelt hat, annehmen würde. „Dort kannst du viel von deinem Wissen einbringen, mein Liebling, und ich bin sicher, dass du der Arbeit mehr als gewachsen sein wirst – bei deiner Ausstrahlung", so hat er versucht, mir die Sache schmackhaft zu machen. „Das einzige, was ich ausstrahle, ist Neurodermitis", wehrte ich mich, „außerdem bin ich für diese Arbeit nicht qualifiziert nach vier Jahren in Forschung und Lehre." Doch Damian machte so lange Theater, er stritt, bat und weinte, bis ich es nicht mehr hören konnte und einwilligte, es mir zu überlegen. Ich höre am Telefon, dass ihn meine Entscheidung erleichtert. Anschließend melde ich mich zu einem ersten Gespräch in der Klinik an, die die Therapie anbietet. Da es bei diesem Termin, anders als sonst, darum geht, meine Haut so zu zeigen, wie sie natürlicherweise ist, setze ich zehn Tage zuvor das Kortison ab. So ehrlich habe ich meine Haut seit Jahren nicht erlebt, aber abgesehen davon, dass sie meine Chance auf einen Klinikaufenthalt verbessert, ist es eine quälende Ehrlichkeit. Sie beschert mir die ersten schlafarmen, da kratzreichen Nächte seit langem, sie bereitet mir die Sorge, wer alles mich so sehen könnte, wie ich jetzt ausschaue, und schließlich weckt sie existentielle Angst vor dem Unsichtbaren, das aus mir selbst aufzusteigen droht.

Endlich ist der Tag gekommen, für den ich diese Tortur aushalte. Aus Stress darüber, dass ich bei winterlichen Straßenverhältnissen zu spät kommen oder den Weg zur Klinik nicht finden könnte, fahre ich an einer Ampel im Zentrum auf das vor mir haltende Fahrzeug auf. Glücklicherweise ist kein Schaden entstanden. Doch als ich aufgelöst und mit hektischen Gesichtsflecken das Klinikgelände stürme, kann selbst der Pförtner erkennen, dass ich eine Therapie in der Dermatologie dringend nötig habe. Nachdem ich mich im Wartezimmer ein wenig beruhigt habe, bittet mich eine Schwester in das Besprechungszimmer, wo ich dem leitenden Professor meine Krankheitsgeschichte schildere. Obwohl ich bei diesem Gespräch krank aussehen wollte, merke ich, wie mich meine entzündete, raue Haut verunsichert, dass ich leiser spreche als sonst, nervös auf meinem Stuhl herumrutsche und mir der Blickkontakt mit dem Professor schwerfällt. Es macht mich betroffen, wie sehr meine Selbstsicherheit von meiner Haut abhängt. Er sagt mir auf den Kopf zu, dass ich ein Beziehungsproblem hätte. „Wollen Sie Kinder mit Ihrem Partner? Ist der Mann, mit dem Sie zusammen sind, der Vater, den Sie sich für Ihre Kinder wünschen?", fragt er mich geradeheraus und seine Worte hallen wochenlang, monatelang, jahrelang in mir nach, obwohl ich sie Damian nie wiedergebe. Der Professor erklärt mir, dass der Nähe-Distanz-Konflikt ein typisches Problem von Neurodermitis-kranken sei, die zuviel Nähe nicht ertragen und mit Trennungen nicht umgehen könnten. Anschließend analysiert er meine betroffenen Körperstellen: Neurodermitis in den Arm-beugen stehe für Klammern, an den Außenseiten der Arme und auf den Handrücken für Abwehr, am Kopf für die Angst zu versagen, im Gesicht, Dekolleté und auf den Brüsten für die Beziehung zum Partner. „Sie können Neurodermitis, wie alle chronischen Krankheiten, nur durch Selbstheilung, nicht mit Medikamenten besiegen", beschließt er eindringlich unser Gespräch. „Ich möchte mein Hautproblem unbedingt lösen und gesund werden", versichere ich ihm, und meine innere Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass ich hier richtig bin. „Gut, dann lassen Sie sich einen freien Termin geben", stimmt er einem stationären Aufenthalt zu, nachdem er mich noch einmal prüfend angesehen hat. Ich weiß zwar noch nicht, was passieren wird, aber ich fühle, ich bin am Ende einer langen Suche angekommen. Jetzt werde ich mich der Antwort stellen. Ich fahre mit dem Gefühl zurück, etwas in meiner Beziehung Verbotenes getan zu haben, etwas, das mich für immer von Damian trennen werde. Doch stärker flutet die Hoffnung in mir, und als ich abends nach Hause komme, verbanne ich meine Kortisonsalbe in die hintere Ecke des Badezimmerschranks.

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